Rebhuhn-Schutzprojekt Prignitz

ein kooperatives Artenschutzprojekt in den Händen der Jägerschaft



       



Kooperationspartner:
Jagdverband Pritzwalk e.V.
Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN)
Jägerschaft des Landkreises Uelzen e.V.



                                                         

Ziel:

In einer flächendeckenden kooperativen Zusammenarbeit zwischen den Jägerschaften dieses Rebhuhn-Schutzprojektes erhoffen sich alle teilnehmenden Partner, den Bestandsrückgang des Rebhuhnes in unserer Feldflur aufhalten zu können. Ziel ist die nachhaltige Bildung einer Rebhuhnpopulation, die sich selbst erhalten und reproduzieren kann.
Ketten zur Auswilderung werden hierfür an Versuchsreviere abgegeben.


Voraussetzung für die Abgabe von Rebhühnern sind vorbereitende Maßnahmen. Hierzu gehören die aktive Biotopgestaltung zur Schaffung von Lebensräumen für das Rebhuhn (Blühflächen, Brachen, Hecken etc.), intensive Raubwildbejagung, der Bau einer Auswilderungsvoliere und die Kartierung im Frühjahr zur Überprüfung der Bestandsentwicklung.


 

3 Gründe für den Rückgang des Rebhuhns:          


Unser einheimisches Rebhuhn hat mittlerweile einen Populationsrückgang von über 90% seit 1980 zu verzeichnen und ist aus weiten Teilen unserer Landschaft bereits verschwunden [1]. Das Rebhuhn steht auf der Roten Liste und ist vom Auststerben bedroht [2].


Die natürlichen Biotope des Rebhuhns wurden durch Flurbereinigungsmaßnahmen und den landwirtschaftlichen Strukturwandel zunehmend eingeschränkt. Durch die Intensivierung des Ackerbaus mit immer größeren Schlägen sowie einer effizienteren Technik bei der Bearbeitung der Felder büßen unsere Landschaften grenzlinienreiche Strukturen ein, die den Lebens- und Nahrungsraum unseres Bodenbrüters darstellen.


Ein zweites Kernproblem stellt das fehlende Insektenvorkommen dar. Das Rebhuhn benötigt in den ersten Lebenswochen fast ausschließlich tierisches Eiweiß in Form von Insekten. Durch den Pestizideinsatz in unserer Landwirtschaft bekommt die Etablierung von unbehandelten Flächen,  wie Blüh- oder Ackerrandstreifen, Brachen und Wiesen, eine lebensnotwendige Bedeutung für das Rebhuhn. Nur hier befinden sich im Frühjahr die dringend benötigten Insekten für die Jungtiere vom Rebhuhn und anderen Feldhühnern [3].


Der rückläufige Rebhuhnbestand ist über dem hinaus einem zunehmenden Prädatorendruck geschuldet. Nicht nur der Fuchs als eines der Hauptprädatoren des Rebhuhns, sondern auch Neozoen wie Waschbär, Mink und Marderhund wirken sich negativ auf die Populationsdichte des Rebhuhns aus [4, 5].



Rebhuhnstation im Pritzwalker Hainholz

        

                                       

             

              naturnahe, bewachsene Volieren


Die Rebhuhn-Station im Pritzwalker Hainholz wurde 2022 durch den Jagdverband Pritzwalk e.V. übernommen.
Hier sind alle Voraussetzungen erfüllt, um die monogamen Rebhuhnpaare in naturnahen Volieren artgerecht halten zu können.

 

 

           


Zwei geschulte Mitarbeiter sind täglich zur Betreuung der Rebhuhnpaare vor Ort. Die Anlage umfasst ca. 1,7 Hektar, auf denen 35 Großvolieren (20-80m²) und 19 "Kindergärten" (Rotlichtraum mit Auslauf, die auch zur Jungtieraufzucht genutzt werden können) Platz finden.


 

                 

                   großräumige, strukturierte Volieren bieten Platz zur Entfaltung


In Kooperation mit der Landesjägerschaft Niedersachsen konnten wir einen Tierbestand aus autochthonen Rebhühnern aufbauen, um den Genpool in freier Wildbahn nicht zu verfälschen nach der Auswilderung [6].

 



Die Elternpaare legen ab April/Mai Eier, von denen die ersten 15-20 Eier eines jeden Paares gesammelt werden, um in den Brutapparaten oder unter Glucken der Jägerschaft Uelzen ausgebrütet zu werden.


              


Anschließend wird den Paaren in den großräumigen und strukturierten Naturvolieren die Gelegenheit zur Naturbrut gegeben.


               

                brütende Henne in der Naturvoliere und Rebhuhnküken aus der Naturbrut



     


Kindergärten“ zur Jungtieraufzucht, Zwerghuhnglucken führen die Rebhuhnküken in den ersten Lebenswochen




Quellenverzeichnis:

[1] European Bird Census Council (2013)


[2] NABU (2021): Rote Liste der Brutvögel 


[3] Meyer, S., K. Wesche, B.Krause und C. Leuschner (2013): Veränderungen in der Segetalflora in den letzten Jahrzehnten und mögliche Konsequenzen für Agrarvögel. In: Tagungsband Fachgespräch „Agrarvögel – ökologische Bewertungsgrundlage für Biodiversitätsziele in Ackerbaugebieten“.Julius-Kühn-Archiv 442: 64-78


[4] Tapper, S.C., G. R. Potts und M. H. Brockless (1996): The effect of an experimental reduction in predation pressure on the breeding success and population density of grey partridges Perdix perdix. J. Appl. Ecol. 33:965-978


[5] Langgemach, T. und J. Bellebaum (2005): Prädation und der Schutz bodenbrütender Vogelarten in Deutschland. Vogelwelt 126: 259-298


[6]Reichelt, B. und A. Augustin, LJN (2019): Vorstellung des Projektes Lebensraumverbund Feldflur Niedersachsen (LVFN), Landesjagdbericht 2018/2019


                     

                      

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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